Der dunkle Poet der Sci-Fi-Literatur: H.P. Lovecraft

Der dunkle Poet der Sci-Fi-Literatur: H.P. Lovecraft

Ein Großteil der heutigen Science-Fiction-Filme, aber auch die Amazing Stories und Pulp Magazine, wären ohne einen Pionier aus Neuengland nicht vorstellbar. Gemeinhin gilt auch H.P. Lovecraft wie Mary Shelley eher als Horrorautor. Doch im Kern sind seine Geschichten oft Science-Fiction.

Der verschrobene Autor, der ein einsames Leben fristete, war ein bewanderter Autodidakt der Astronomie und anderer Wissenschaften. In seinen Erzählungen übersprang er oft die Trennung zwischen Magie und technischen Utopien. Dabei ordnete er das Leben auf der Erde in ein großes kosmisches Geschehen ein. Daher spricht man bei einigen seiner Geschichten auch von „cosmic horror“.

Lovecraft erschuf eine eigene Mythologie, aus der sich bis heute Generationen von Schriftstellern und Drehbuchautoren fleißig bedienen. Im Rahmen dieser Mythologie werden die Menschen seit je her von den „Großen Alten“ begleitet, wenn sie von diesen nicht sogar geschaffen wurden.

Die „Großen Alten“ sind monströse Geschöpfe, die vom menschlichen Verstand gar nicht ganz erfasst werden können. Die Idee wird später auch in der „Alien“-Saga von Ridley Scott wiederaufgegriffen. In „Prometheus“ müssen die Menschen die ungeheuerliche Entdeckung machen, dass sie von außerirdischen „Ingenieuren“ erschaffen wurden.

Berühmte Schriftsteller wie Stephen King verehren H.P. Lovecraft und nennen ihn als bedeutende Inspirationsquelle. Eine solche Inspiration ist Lovecrafts endlose Fantasie für die Metamorphosen außerirdischer oder nicht-menschlicher Wesenheiten. Bemerkenswert ist zum Beispiel seine Geschichte „Die Farbe aus dem All“, in der ein Farmer mit einem zerstörerischen Wesen konfrontiert wird, die von einer Farbe gekennzeichnet ist, die nicht unserem bekannten Farbspektrum entspricht. Das ist ein typisches Sci-Fi-Motiv: Immer wieder geht es in dem Genre um das Unbekannte.

Lovecraft hat selber auch zahllose Essays und Aufzählungen von Definitionen über das Genre verfasst, die bei ihm zwar um Horror kreisen, aber auch von ausschlaggebender Bedeutung für das Science-fiction-Genre sind.

Ein ganz wesentlicher Gedanke in Lovecrafts Überlegungen ist die Ausschaltung der „ehernen Naturgesetze“. Genau das passiert immer wieder in den zahlreichen Expeditionserzählungen der Sci-Fi, aber auch in den Invasionsgeschichten.

In dem bekannten Hollywoodfilm „Interstellar“ werden die Akteure mit einem fünfdimensionalen Raum konfrontiert, in dem unser gewohntes Raum-Zeit-Verständnis nicht mehr funktioniert.

Solche Motive lassen sich auf den Mythenschöpfer Lovecraft zurückführen. Auch er spekulierte immer wieder über Parallelwelten und verborgene Dimensionen, die an unsere Alltagswelt grenzen.

Ähnlich wie die Jules Verne zeigen auch H.P. Lovecrafts Geschichten, dass in einer Vision oftmals der Keim für spätere reale Entdeckungen liegt. Die Wissenschaft beschäftigt sich heute intensiv mit der sogenannten „dunklen Materie“. Dieses Konstrukt könnte direkt einer Erzählung von Lovecraft entsprungen sein.

Lovecraft verdanken wir aber auch noch eine andere Konstante des Sci-Fi Genres: Er pflanzte die Idee „des Fremden“ in die Gehirne seiner Leser. Es geht dabei um etwas grundsätzlich Andersartiges, was sich der menschlichen Vorstellungskraft entzieht. Während oft in vielen Sci-Fi Filmen Außerirdische stark menschliche Züge tragen, haben Lovecrafts mythische Gestalten etwas fundamental Fremdes an sich. In einem weiteren Sinne könnte man ihn auch als Urvater des Aliens sehen, das zum furchterregendsten Monster der Filmgeschichte wurde.

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