Klassische Sci-Fi-Werke: „Frankenstein“ und Jules Vernes fantastische Reisen

Klassische Sci-Fi-Werke: „Frankenstein“ und Jules Vernes fantastische Reisen

Die Verbundenheit der Sci-Fi-Tradition mit der Epoche der Aufklärung und des technischen Aufbruchs lässt sich kaum besser als mit zwei Autoren von Literaturklassikern verdeutlichen: Mary Shelleys Frankenstein mag durch die Verfilmungen oft in Verbindung mit Horror gesehen werden. Tatsächlich ist dieser Roman richtungsweisend für das Science-Fiction-Genre.

Anstelle des magischen Rituals steht eine technische Utopie, um einen Toten zu erwecken. Den Respekt vor der göttlichen Ordnung hat der Wissenschaftler im Zentrum der Handlung verloren. Auch sonst überschreitet er Normen und Grenzen. Diese Grenzüberschreitungen werden zum signifikanten Merkmal der Science-fiction werden. Viele Jahre später wird in dem US-Film „Species“ Alien-DNA zum Leben erweckt mit verheerenden Folgen.

Shelleys Roman erzählt auch von den sozialen und gesellschaftlichen Folgen, indem das Unmögliche möglich gemacht wird. Auch das beschäftigt die Science-Fiction-Autoren bis heute. Besonders auffällig ist, dass sich der Wissenschaftler einer bis zur Aufklärung gültigen Ordnung widersetzt. Er stellt sich auch selbst an die Stelle des alles erschaffenden Gottes.

Viele Jahre später wird ein „Star Trek“-Film von einer Genesis-Bombe erzählen, die eine ganze Evolution in Gang setzen kann. Im neuesten Prequel zur „Alien“-Filmreihe lässt Regisseur Ridley Scott einen Roboter Monster erschaffen und stellt dabei Fragen nach der ambivalenten Natur der Kreativität.

Doch die frühe wissenschaftliche Fantastik ist immer auch vom Gedanken des optimistischen Aufbruchs geprägt. Kein anderer Autor hat die Fortschrittsgläubigkeit des beginnenden Industriezeitalters besser auf den Punkt gebracht als der französische Schriftsteller Jules Verne.

Seine fantastischen Romane handeln vom Mondflug oder von Kapitän Nemos U-Boot Nautilus. Hier werden zum ersten Mal detailliert ausgedachte Technik-Utopien greifbar. Diese sind konstituierend für die Science Fiction. Damit verbunden ist seit Jule Verne auch noch eine andere bemerkenswerte Komponente des Genres: Sie nehmen technische Entwicklungen vorweg. Und: Wissenschaftler und Künstler inspirieren sich gegenseitig. Oft sind es die Sci-Fi-Autoren, die den Technikern und Wissenschaftlern die entscheidenden Denkanstöße liefern.

Gerade Jules Vernes Visionen zeigen ein weiteres besonderes Qualitätskriterium von Sci-Fi-Erzählungen: Die technische Utopie muss bis zu einem gewissen Grad plausibel sein. Zwar wurden die realen Astronauten nicht mit einer Kanone auf den Mond geschossen, aber Jules Vernes ballistischer Ansatz wies bereits in die richtige Richtung. Auch das U-Boot bewegt sich bereits auf dem Boden des Machbaren.

Jules Verne stiftet dazu den Aufbruchsgedanken: Seine Romane werden auch als „Frontier Novels“ bezeichnet. Die bisherigen Grenzen werden überwunden. Man dringt in das Unbekannte vor. Im TV-Zeitalter war es dann die U.S. S. Enterprise, die endlose Weiten des Alls erforschte.

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